Wir Jusos
Die Jusos (JungsozialistInnen)
Die Jusos sind die Jugendorganisation der SPD. Sie steht allen interessierten jungen Leuten im Alter von 14 bis 35 Jahren offen. SPD-Mitglieder in dieser Altersgruppe sind automatisch Jusos. Man muss aber kein SPD-Mitglied sein, um Juso zu sein. Jeder, der möchte, kann mitmachen und wer regelmäßig reinschaut, hat die gleichen Rechte (z.B. Stimmrecht) wie SPD-Mitglieder.
Die Jusos setzen sich mit allen Fragen der Politik auseinander. Sie sind erste Anlaufstelle für junge Menschen, die sich sozialdemokratisch engagieren wollen. Die Jusos vertreten aber auch die Interessen der jungen Generation innerhalb der SPD. An fast allen Studienorten (natürlich auch in Tübingen!) gibt es darüber hinaus Juso-Hochschulgruppen, die ihren Schwerpunkt vor allem im Bereich Hochschul- und Bildungspolitik setzen.
Geschichte der Jusos
Die Anfangsjahre
Die Jusos können auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken, die in der Tradition der Arbeiterbewegung steht. Die Anfänge gehen bis in das 19. Jahrhundert zurück, als die Organisation der Arbeiterschaft begann und die SPD gegründet wurde. Bereits in den Anfangsjahren der Partei kämpften auch junge Menschen für die Werte der deutschen Sozialdemokratie: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Jedoch verhinderten das Sozialistengesetz und andere gesetzliche Bestimmungen die Gründung einer sozialdemokratischen Jugendorganisation. Erst 1904 konnten sich die ersten Arbeiterjugend- und Lehrlingsvereine in Deutschland gründen. Als Gründungsdatum der ersten Gruppe gilt der 10. Oktober 1904. An diesem Datum schlossen sich 24 junge Arbeiter und Lehrlinge im Klubhaus Pachura in Berlin zur ersten deutschen Arbeiterjugendorganisation, dem “Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins” zusammen. Wortführer waren Max Peters und Helmut Lehmann. Der direkte Auslöser für diese Gründung war der Selbstmord des Schlosserlehrlings Paul Nehring in Berlin. Dieser setzte seinem Leben im Juni 1904 ein Ende, nachdem er die körperlichen Misshandlungen seines Lehrmeisters nicht mehr ertragen konnte. Im selben Jahr beschäftigte sich auch die SPD auf ihrem Parteitag in Mannheim mit der Frage der Arbeiterjugendbewegung. Lied der Bewegung war das 1907 von Heinrich Eildermann getextete Lied “Dem Morgenrot entgegen”. Bereits in den Anfangsjahren war die Arbeit nicht auf Deutschland beschränkt. So gründete sich 1907 in Stuttgart die “Sozialistische Jugendinternationale”, ein internationaler Zusammenschluss junger Sozialdemokraten. Der 1. Weltkrieg erschwerte die politische Arbeit und viele junge Menschen, auch viele Sozialdemokraten, waren euphorisch in den Krieg gezogen.
Weimarer Republik und NS-Zeit
In den Anfangsjahren der “Weimarer Republik” erlebte die Jugendbewegung einen neuen Höhepunkt. Im Jahre 1923 gründeten die sozialistische Jugend und die Gewerkschaftsjugend die “Kinderfreunde”, eine sozialistische Kinderorganisation, die nach dem Krieg als “Sozialistische Jugend Deutschlands-Die Falken” wieder gegründet werden sollte. Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich bereits der sozialistisch motivierte “Tourismusverein Naturfreunde” gegründet, der die Ziele der Arbeiterbewegung mit der damals populären Idee der direkten Naturerfahrung koppelte. Anfang der 20er Jahre bildeten sich zahlreiche solcher Jugendgruppen der Naturfreunde. Die Naturfreundejugend setzte sich schon damals mit Fragen der Umwelt und der Natur auseinander. Die Weltwirtschaftskrise und die Inflation stärkten die Ansicht vieler junger Parteimitglieder, dass nur eine starke Arbeiterbewegung die soziale Situation in Deutschland verbessern könne. Wortführer der Bewegung waren der spätere Parteivorsitzende Erich Ollenhauer und Max Westphal. Der Sozialismus bildete das theoretische Weltbild der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ). Fast alle Mitglieder stammten aus dem Arbeitermilieu. Die Jugendarbeit war stark durch Zeltlager und andere Gemeinschaftserlebnisse geprägt. Aber auch politische Bildungsarbeit war charakteristisch für die SAJ. Zur Politik der SPD äußerte sich der Verband noch nicht eigenständig. Gerade zu Ende der Weimarer Republik forderten jedoch mehr und mehr Jusos ein Ende der Bevormundung durch die Mutterpartei SPD. Die Zustimmung der SPD zum Bau von Panzerkreuzern 1928 führte dazu, dass sich eine Gruppe junger Mitglieder von der SPD abspaltete und die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP) gründete, deren Mitglied auch der spätere Bundeskanzler Willy Brandt wurde. Auch innerhalb der SAJ gab es Auseinandersetzungen, die zu einem Linksruck der Bewegung führten. Die Kritik an der SPD wurde immer vehementer. Dies führte zur Auflösung der Jusos durch die SPD im Jahre 1931.
Zusätzlich hinterließ auch der aufkeimende Nationalsozialismus seine Spuren. Schon früh hatten die Jusos vor der drohenden Gefahr durch die Nazis gewarnt. In den Endjahren der Weimarer Republik schloss sich die SAJ Schutzbündnissen wie dem “Reichsbanner” und der “Eisernen Front” an, um die junge Demokratie zu verteidigen. 1933 kam es zur Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten. Alle sozialistischen, gewerkschaftlichen und kommunistischen Jugendverbände wurden verboten. Viele führende Jusos gingen ins Exil, so auch Willy Brandt, andere leisteten aktiven Widerstand in Deutschland. Viele wurden verhaftet, gefoltert oder in Konzentrationslagern ermordet.
Neubeginn und Linkswende
Direkt nach dem 2. Weltkrieg gründete sich die SPD wieder. Gleichzeitig richtete die Partei die “Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten in der SPD” ein. Dadurch sollten die Jusos eng an die SPD gebunden werden, um einen erneuten Linksruck zu verhindern. Aufgabe der Jusos war es die Vorgaben der Mutterpartei auszuführen und junge Menschen für die SPD zu werben. Eine eigene inhaltliche Arbeit fand dabei selten statt. Mitte der 60er Jahre kam es zu großen Veränderungen. Die Große Koalition, der Vietnamkrieg und die Notstandsgesetze führten unter der jungen Generation zu einem Stimmungswandel.
Die Außerparlamentarische Opposition (APO) formierte sich und es kam zu den bekannten Studentenprotesten. Viele dieser 68er fanden ihren Weg in die SPD. Gerade die Politik von Willy Brandt sprach viele junge Menschen an. Auf dem Juso-Bundeskongress in München kam es zur sogenannten “Linkswende”. Die Mehrheit der Delegierten sprach sich gegen die uneingeschränkte Loyalität gegenüber der SPD aus und forderte mit eigenen Positionen ein kritisches Korrektiv gegenüber der Mutterpartei zu sein. Der amtierende Bundesvorsitzende Corterier wurde abgewählt und mit Karsten Voigt kam ein Anhänger des linken Flügels an die Spitze des Verbandes.
Regierungsjugend, Oppositionsjugend und Regierungsjugend
In den 70ern kam es zu starken Strömungskämpfen innerhalb der Jusos. Einzig die “Doppelstrategie” wird von allen Lagern unterstützt. So sollten sich Jusos nicht nur innerhalb der Partei engagieren, sondern auch aktiv in anderen Gruppen und Verbänden mitwirken, um so besser in die Gesellschaft hineinwirken zu können. Die Jusos der 70er Jahre lassen sich in drei Gruppen untergliedern: Die Reformsozialisten, den Hannoveraner Kreis (Stamokap) und die Antirevisonisten. Die Reformsozialisten, auch “undogmatische” Jusos genannt, setzten auf eine Politik der sogenannten systemüberwindenden Reformen. Das heißt, soziale Misstände in der Gesellschaft, wie der Kapitalismus, sollten schrittweise durch Reformen beseitigt werden. Die Stamokap-Fraktion war stark marxistisch geprägt. Sie lehnten den reformistischen Ansatz fundamental ab und forderten eine Verstaatlichung der Schlüsselindustrien und eine Überführung der Produktionsmittel in gesellschaftliches Eigentum. Im Staat sahen sie vor allem ein Werkzeug des Kapitalismus. Die Antirevisionisten standen in Opposition zu den beiden anderen Flügeln. Sie setzten auf Basisbewegungen, die zu einer gesellschaftlichen Gegenmacht werden sollten. Die Jusos wurden zum Thema in den Medien. 1977 wurde der gewählte Juso-Bundesvorsitzende Klaus-Uwe Benneter aus der Partei ausgeschlossen, da er öffentlich eine Zusammenarbeit mit den Kommunisten nicht ausschließen wollte. Ende der 70er Jahre lehnten immer mehr junge Menschen die Politik der SPD ab. Friedens- und Umweltgruppen hatten großen Zulauf. Es kam zur Gründung der Grünen. 1982 wurde Helmut Schmidt gestürzt. Für die SPD folgten 16 lange Jahre in der Opposition. Innerhalb der Jusos setzten sich die altbekannten Flügelkämpfe, nun zwischen Reformsozialisten und Juso-Linke, fort. In der Öffentlichkeit wurden die Jusos kaum noch wahrgenommen. Nach dem Mauerfall 1989 kam es 1991 in Potsdam zum Zusammenschluss der West- und Ost-Jusos. Erst 1995, mit der Wahl von Andrea Nahles zur Bundesvorsitzenden, wurden die Jusos wieder in den Medien wahrgenommen. Forderungen wie die Ausbildungsplatzabgabe fanden auch Einzug in die Diskussion der SPD. Mit dem Regierungswechsel 1998 wurden die Jusos wieder Regierungsjugend.
Fransika Drohsel
Juso-Vorsitzende (nach 1959)
Hans-Jürgen Wischnewski 1959-1962
Holger Börner 1962-1963
Günter Müller 1963-1967
Peter Corterier 1967-1969
Karsten Voigt 1969-1972
Wolfgang Roth 1972-1974
Heidemarie Wieczorek-Zeul 1974-1977
Klaus-Uwe Benneter 1977
Gerhard Schröder 1978-1980
Willy Piecyk 1980-1982
Rudolf Hartung 1982-1984
Ulf Skirke 1984-1986
Michael Guggemos 1986-1988
Susi Möbbeck 1988-1990
Ralf Ludwig 1991-1993
Thomas Westphal 1993-1995
Andrea Nahles 1995-1999
Benjamin Mikfeld 1999-2001
Niels Annen 2001-2004
Björn Böhning 2004-2007
Franzsika Drohsel 2007 – 2010
Sascha Voigt 2010




