Ein Bericht von der Juso-Sitzung am 11.10.2012  von Roland Keller

Die Frage, ob man Staat und Kirche in Deutschland stärker trennen soll, spielt derzeit zumindest in der SPD eine gewisse Rolle: Die Gründung einer Arbeitsgruppe für Laizismus ist von einigen geplant, wird allerdings von der Parteiführung bisher abgelehnt. So gibt es bis jetzt nur einen entsprechenden Arbeitskreis, dessen Ziele ein Ethikunterricht für alle und eine strikte Trennung von Kirche und Staat sind. Religion soll in den Augen der Mitglieder des Arbeitskreises reine Privatsache sein.

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Nico Waibel stellte im Rahmen einer Juso-Sitzung den Arbeitskreis vor und gab auch einen kurzen Abriss über die Geschichte des Laizismus. Während Frankreich und die Türkei stark laizistisch ausgerichtet sind, gibt es in Deutschland nicht zuletzt durch die staatlich eingetriebene Kirchensteuer starke Verknüpfungen von Kirche und Staat. Die Kirche nimmt dem Staat anderseits mit Kindergärten und anderen sozialen Einrichtungen auch Aufgaben ab. Die SPD war in der Weimarer Republik eine laizistische Partei, hat ihre Haltung im Godesberger Programm 1959 aber verändert, um sich den Kirchen anzunähern. Dies sieht der Arbeitskreis Laizismus kritisch.

In der dem guten Vortrag von Nico Waibel folgenden Diskussion vertraten einige Anwesende die Position, dass man die Privilegien der Kirchen erhalten und auf andere Religionsgemeinschaften wie insbesondere den Islam ausweiten solle. Andere bemängelten, dass es schwierig sei festzulegen, welche religiösen Gruppierungen davon betroffen sein würden. Insofern sei eine strikte Trennung von Staat und Kirche sinnvoll, um keine Religion zu benachteiligen. Bauchschmerzen bereitete einigen Jusos insbesondere auch die staatliche Mitfinanzierung eines großen Personalapparats der Bischöfe, der teilweise einem Hofstaat ähnele.

Über die Frage eines verpflichtenden Ethikunterrichts war man sich auch nicht einig. Es sei sinnvoll, alle Religionen in gleichem Maße zu behandeln, um einen neutralen Blickwinkel zu bekommen, hieß es einerseits. Dagegen erzählten auch einige von ihrem Religionsunterricht, in dem neben der eigenen auch andere Religionen ausführlich vorgestellt worden seien.

Vereinzelt wurde kritisiert, dass manche Atheisten in der Öffentlichkeit sehr dogmatisch auftreten würden und ihr Atheismus wie eine Ersatzreligion wirke. Dies treffe auch auf Mitglieder des Arbeitskreises Laizismus zu. Dieser wolle aber nicht den Leuten ihre Religion wegnehmen, wie daraufhin betont wurde.

Schlussendlich gehe es wohl um die Frage, ob eine Reform nicht auch im bestehenden System möglich sei, merkte ein Diskussionsteilnehmer zum Schluss einer kontroversen Debatte an.

Ethikunterricht für alle?

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