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Von Roland Keller

Die Tübinger Schnitzelakademie ist für ihre deftige und üppige Küche bekannt, aber ein eher ungewöhnlicher Ort für die Jahreshauptversammlung der Jusos. Bei Pommes, Schnitzel und Bier findet diesmal eine spannende Wahl statt, mit Florian Burkhardt und Carsten Schmidt gibt es zwei Kandidaten für den Kreisvorsitz. Auch andere Ämter werden gewählt, für die korrekte Stimmenauszählung sind zwei Zählkommissionen zuständig. Mit etwa 40 Anwesenden ist der Nebenraum der Gaststätte gut gefüllt. 

In den Reden an diesem Abend bekommen die Tübinger Jusos viel Lob. Das Landesvorstandsmitglied Christian Dristram, aus Mannheim angereist, spricht als erstes. Ein sehr aktiver Kreisverband seien die Jusos Tübingen, auch wenn sie nicht immer seine Meinung vertreten würden. „Die Jusos haben Power“, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Rosemann, der nächste Redner. Es sei gerade für die sehr studentisch geprägten Tübinger Jusos aber auch wichtig, nicht zu anspruchsvolle Debatten zu führen und Probleme verständlich zu behandeln. Zu kritischen Diskussionen mit dem SPD-Nachwuchs komme er immer gerne. Allerdings fordert er auch, stolz auf das bisher Erreichte in Landes- und Bundesregierung zu sein. Nils Schmid ist für ihn der erfolgreichste Landesfinanzminister in Baden-Württemberg aller Zeiten. Auf Bundesebene habe die SPD schon vieles aus dem Koalitionsvertrag wie die Rente mit 63 und den Mindestlohn umgesetzt. Auch die doppelte Staatsbürgerschaft ist Martin Rosemann sehr wichtig. „Wer hier geboren ist, ist Deutscher und kein Ausländer“, stellt er klar.

Dramaturgisch perfekt wird anschließend das Ergebnis der Vorsitzendenwahl bekannt gegeben, bei der sich Carsten Schmidt knapp durchgesetzt hat. Er plant, im kommenden Amtsjahr stärker auf Tübinger Vereine zuzugehen. Zur Kassiererin, ein „Scheißjob“, wie ein Juso anerkennend bemerkt, wird später die ausgebildete Bankkauffrau Franziska Stromberg gewählt. Mit Lara Hiller und Siyar Yeniay sind auch eine Mutter und ein Schüler Mitglieder des neuen Vorstands, der außerdem aus dem Pressesprecher Frederik Strelczuk sowie Sanja Bleicher und Semra Genc besteht. Delegierte für den Landesausschuss der Jusos Baden-Württemberg sind Frederik Strelczuk und Marc Bauer. Im Ring Politischer Jugend (RPJ), einem Zusammenschluss der Parteijugendorganisationen von SPD, CDU, FDP und Linkspartei, werden die Tübinger Jusos von Toni Verch und Magdalena Ruoffner vertreten.

Der Tübinger Ortsvereinsvorsitzende Werner Walser ist gleichzeitig auch Vorsitzender des Zusammenschlusses der SPD-Mitglieder über 60 (AG 60 Plus), ansonsten könnte man ihn für deutlich jünger halten. In einer launigen Rede zwischen zwei Wahlen erzählt er, auch er habe bei seiner ersten Kandidatur zum Ortsvorsitzenden verloren, aber danach gut mit seinem siegreichen Gegenkandidaten zusammengearbeitet. Die Qualität beider Vorstellungsreden zum Juso-Kreisvorsitz sei beeindruckend gewesen, große ideologische Unterschiede könne er nicht feststellen. „Die ideologische Linie ist ohnehin nicht so wichtig, sondern solidarische Zusammenarbeit, das ist mir mit der Zeit in der SPD immer klarer geworden“, sagt Werner Walser.

Die SPD-Kreisvorsitzende Dorothea Kliche-Behnke, an diesem Abend Leiterin der dreistündigen Versammlung, betont zum Schluss die Bedeutung der zahlreichen Tübinger Jusos für die Partei. „In anderen Ortsvereinen im Kreis ist das jüngste Mitglied 53“, sagt sie. Danach bleiben einige noch länger in der Gaststätte und lassen den Abend gemütlich ausklingen. Es handelt sich nun eher um einen Stammtisch, wie es ihn bestimmt oft gibt in der Tübinger Schnitzelakademie.

Wahlkrimi bei Bier und Schnitzel

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